Nussbäume für Höhenlagen

Ausgangslage und Ziel

Bei uns melden sich vermehrt Leute, welche sich für Nussbäume in Höhenlagen auf der schweizerischen Alpennordseite zwischen 600 und 1100 müm interessieren. Von den Baumschulen in der Schweiz werden nur im Ausland veredelte Bäume angeboten. Darunter dürften nur sehr wenige Sorten geeignet sein für Höhenlagen auf der schweizerischen Alpennordseite. Wir wollen die Lücke schliessen und bis 2027 zehn geeignete Sorten zur Nuss- und Öl-Produktion finden, auswählen, veredeln, in Höhenlagen testen und anbieten. 

Es gibt mehrere Gründe, Nussbäume in Höhenlagen zu fördern. Nüsse liefern das physiologisch wertvollste Öl, das wir in der Schweiz produzieren können. Die Nussbäume könnten einen Beitrag liefern zur Ernährungssicherheit und zur Artenvielfalt sowie zur Hochstammförderung. Früher durften die Bürger auf der Allmend Nussbäume pflanzen und nutzen. Im schweizerischen Mittelland, das für Intensivkulturen genutzt wird und immer mehr verbaut wird, gibt es kaum mehr Platz für Nussbäume. In Höhenlagen gibt es eher noch Anbaumöglichkeiten, und zwar als Solitärbäume, als Gruppen, in Parks, Hecken, Alleen, öffentlichen Plätzen, entlang von Bächen oder Wäldern oder als Bionichen.

Anforderungen an Walnussbäume für Höhenlagen

Louis Garavel, ein exzellenter Kenner von Nussbäumen in Grenoblegebiet, hatte sich in einem Artikel von 1954 Gedanken gemacht über die Anforderungen an Nussbäume in Höhenlagen. Auf Grund seiner Beobachtungen stellte Garavel die Forderung auf, dass Walnuss-Sorten für Höhenlagen eher spät blühen und eine kürzere Vegetionsdauer haben sollten als die üblichen Sorten, um das Risiko von Schäden durch Spätfröste im Frühling und durch Frühfröste im Herbst zu reduzieren und die Chancen auf Nussertrag zu erhöhen. Er nennt im Artikel aber keine Sorten, welche diese Forderung erfüllen. Die Nüsse sollen auch einen prozentualen Kernanteil von mindesten 45 % aufweisen. Wir präzisieren unsere Anforderungen wir folgt:

  • Eher späte Sorten; vergleichbar mit Franquette.
  • Die Nüsse sollen einen prozentualen Kernanteil von mindestens 45 % aufweisen wie alle guten Poduktionssorten.
  • Die Vegetationszeit (Anzahl Tage von der Befruchtung bis zur Ernte) sollte 120 bis 125 Tage betragen also etwas kürzer sein als bei den üblichen Handelssorten für das Mittelland (135 Tage).
  • Frühe Sorten, aber nur, wenn sie nach Spätfrost Zweitblüten machen. Solche Sorten sind selten. Sie geben in normalen Jahren ohne Spätfrost eine normale Ernte; in Spätfrostjahren eine kleinere, spätere Ernte.

Unser aktueller Stand

Wir haben uns seit 10 Jahren mit dem Thema befasst. Daraus ergeben sich folgende Erkenntnisse:

Referenzsorte Franquette

Als Referenzsorte haben wir die sehr bekannte, gut beschriebene, französische Sorte Franquette gewählt. Franquette ist eine eher späte und robuste Sorte. Sie ist bis in mittlere Höhenlagen nicht spätfrostgefährdet. Die Nussqualität ist ausgezeichnet. Das Kerngewicht beträgt im Mittel 5,5 g, der prozentuale Kernanteil 45 %. Sie fühlt sich im schweizerischen Mittelland wohl. Wir haben fünf 15-jährige veredelte Franquette Nussbäume auf 650 müm stehen. Diese gaben auch in Spätfrostjahren wie 2021 Nüsse. Unsere Sorten für Höhenlagen sollten bezüglich Blütenbiologie (Austriebsdatum, Blütenzeiten der männlichen und weiblichen Blüten) vergleichbar sein mit der Sorte Franquette. Da diese charakteristischen Eigenschaften abhängig sind von der Höhenlage respektive von der Klimazone, muss die Referenzsorte auf verschiedenen Höhen gepflanzt werden, damit gute Vergleiche mit den Kandidatensorten gemacht werden können.

Unsere bisher besten Kandidaten

Wir haben in den letzten Jahren schon einige Sorten gefunden, die für Höhenagen in Frage kommen

Sorte Standort, Alter, müm,  Nüsse/Ertrag  Bemerkungen
CaVu

Mutterbaum

Eher späte Sorte, Baum 100-Jährig, 750 müm Vulliens VD 45 % Kernanteil, eher kleine Nüsse, geeignet für Öl, Baum gab im Spätfrost-Jahr 2017 150 kg trockene Nüsse. Die frühen Nachbarbäume gaben keine Nüsse! Interessant wegen Höhenlage und Spätblühigkeit. Fiche vorhanden. Es gibt jungen Veredlungen. Daten zur Blütenbiologie sind teilweise vorhanden. 
BruSo Mutterbaum  Ca 70-jährig in Soglio, Bergell auf 1100 müm Sehr gute Nussqualität: 50 % Kernteil. Kerngewicht 7 g. Der Baum gab 2021 Nüsse, einschränkend muss allerdings erwähnt werden, dass es in diesem Jahr im Bergell keine Spätfröste gab. Interessant wegen Höhenlage und guter Nussqualität.

Im Febr. 2022 Edelreiser geschnitten, Veredlungen sind im Gang. Versuche müssen zeigen, wie sich die Sorte in Höhenlagen auf der Alpennordseite verhält. Noch keine Daten zur Blütenbiologie.

WalPrez

Mutterbaum frühe Sorte mit Zweitblüte nach Spätfrost

100 jährig, in Prez auf 650müm  Sehr gute Nussqualität, aromatisch, Kernanteil: 45 %.  Kerngewicht: 6g. Gibt jedes Jahr zwischen 50 und 150 kg Nüsse. Publikation zum Thema Zweitblüte nach Frost. 

Daten zur Blütenbiologie sind vorhanden.

Frühe Sorte und trotzdem jedes Jahr Nüsse. In Jahren ohne Spätfrost gibt es Nüsse von der normalen Blüte; in Jahren mit Spätfrost gibt es eine etwas spätere Ernte mit Nüssen von der Zweitblüte. Für die Zweitblüte muss ein geeigneter Pollenspender vorhanden sein. Es gibt veredelte Jungbäume davon.
Späte Sorten aus Höhenlagen des CH-Inventars In Sammlungen des NAP/ PREGEL  Die Sorten können erst bewertet werden, wenn die Daten der Bäume in den Sammlungen zugänglich sind und studiert werden können.  Es könnten drei bis 5 Sorten aus dem CH-Inventar in Frage kommen.

 

Weitere Kandidaten

  • HeWol, Sensebezirk, 800 müm, 
  • CaSo, GauSo, Ganvic, Alpensüdseite, Bergell, 1000 bis 1200 müm
  • Fernor, Lara, späte französische Sorten
  • WieSal, ZweiRu, späte Schweizer-Sorten, 500 müm
  • TTB, späte österreichische Sorte
  • Coenen, Ulicoten, späte niederländische Sorten, 
  • Sorten mit sehr langen weiblichen Blütezeiten. Die Auswirkungen könnten ähnlich sein wie bei den frühen Sorten mit Zweitblüte. Es gibt wenig Informationen darüber.

 

Von den meisten dieser Sorten haben wir junge, veredelte Bäume bei uns auf 600 müm.

Nicht geeignete Sorten

  • Sehr frühe und frühe Sorten ohne Zweitblüten nach Frost kommen wegen den Spätfrösten im Frühling und den damit verbundenen Ernteausfällen im Herbst nicht in Frage. Damit scheiden die Kontinentalsorten aus osteuropäischen Ländern und der grösste Teil der deutschen Sorten aus.  
  • Sehr späte Sorten sogenannte Johannis-Sorten kommen auch nicht in Frage, weil deren Nüsse im Herbst nicht ausreifen.

Selbst veredeln

Walnüsse veredeln ist unsere Kernkompetenz und ist Teil unseres Projektes.  Wir sind dafür nicht aufs Ausland angewiesen (Label: CH-Veredlung). Es hat für das Projekt entscheidende Vorteile. Die Wege sind kürzer, sicherer und einfacher. Wir veredeln diejenigen Sorten, welche uns interessieren. Wir entscheiden kurzfristig. Wir können bestehende Bäume auch umpfropfen oder Pollenspendersorten auf Empfängersorten veredeln.

Aufnahme der Blütenbiologie

Die Kenntnis der Blütenbiologie von Nusssorten ist entscheidend bei der Auswahl. Da die Blütenbiologie von der Höhenlage abhängt, müssen die Biologiedaten für eine Sorte denn auch für die verschiedenen Höhenlagen aufgenommen werden. Es gibt sehr viel Arbeit, das Austriebsdatum, die Blütenzeiten der männlichen und weiblichen Blüten, allfällige Frostdaten und das Erntedatum einer Sorte zu bestimmen.

Weiteres Vorgehen/ Vernetzung

  • Sorten auswählen.
  • Versuchsflächen in verschiedenen Höhenlagen finden.
  • Die ausgewählten Sorten dann in verschiedenen Höhenlagen als Einzelbäume oder in Gruppen pflanzen und beobachten.
  • die Daten der Blütenbiologie erheben.
  • mit einem geeigneten Informationssystem garantieren, dass die anfallenden Informationen gesichert werden und bleiben.  
  • Kommunikation sicherstellen. Das wird vor allem über unsere website walwal.ch passieren.
  • Zusammenarbeit mit Privaten, mit Organisationen und amtlichen Stellen sicherstellen. 

Wir hoffen, dass wir in 5 Jahren etwa zehn Sorten für Höhenlagen anbieten können.

 

Prez, 11.4.2022 HSW